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Unsere Welt besteht aus andauernder Kommunikation zwischen Menschen. Ob im Zweiergespräch oder in der Gruppe, ob zwischen Freunden oder am Arbeitsplatz meist spielt das gesprochene Wort die wichtigste Rolle bei einer Unterhaltung.
Was passiert aber, wenn mein Gegenüber nicht hören kann? Technische Hörhilfen können einen verständnisvollen Kommunikationspartner nicht ersetzen, denn Verständigung, Verständnis und Verstehen liegen eng beieinander und beeinflussen den Erfolg jedes Gespräches. Was muss ich also beachten, wenn mein Kollege, mein Freund, mein Nachbar
unter einer Hörschädigung leidet? Gibt es Tipps aus der Praxis, die mir bei der Unterhaltung helfen? Dass man langsam und deutlich sprechen soll und dass der Blickkontakt wichtig ist, ist noch einleuchtend. Schwieriger wird es bei Bartträgern und Dialekten, denn ein Bart kann das Absehen vom Mund erschweren ebenso wie Dialekte, weil hier das Mundbild nicht leicht zu erkennen ist. Oft führen zu lange Sätze und zu weniges Nachfragen zu Mißverständnissen, es ist besser keine Fremdwörter benutzen und bei längeren Gesprächen sollte der Gesprächspartner immer das Thema und wichtige Stichworte wiederholen.
Das Berufsbildungswerk München (BBW) des Bezirks Oberbayern hat im Rahmen eines Projektes zusammen mit den Auszubildenden Kommunikationstipps gesammelt und diese in Kooperation mit dem Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V., dem Gehörlosenverband München und Umland e.V. und dem Bayerischen Landesverband für die Wohlfahrt Gehörgeschädigter e.V. vervollständigt.

Hier trägt Katharina, 1. Lehrjahr, die Kommunikationskarten an der Maschine zusammen.
So entstand kein unscheinbarer Flyer, sondern ein gewichtiges praxisorientiertes Werk im Hosentaschenformat. Mediengestalter, Drucker und Buchbinder (Ausbildungsbereiche des BBWs) entwickelten moderne, ansprechende Kommunikationskarten, die als Fächer gebunden sind. Die Münchner Tipps sind 130 Gramm schwer, 10,5 x 10,5 cm groß und 34 Seiten dick und wurden vom BBW in einer Stückzahl von 10 000 Exemplaren gefertigt.

Nicole ist im 1. Lehrjahr und eine von 16 Auszubildenden in der Buchbinderei des BBWs. In der Werkstatt wurden die Kommunikationskarten geschnitten, zusammengetragen, gebohrt und die Buchschrauben eingesetzt. Bei einem Produktionsvolumen von 10.000 Stück kann man schon von einem Großauftrag sprechen und da müssen alle mithelfen, damit der Auftrag zeitnah fertig wird.
Der Kommunikationsfächer will Verständnis für den Gesprächspartner und dessen Hörbeeinträchtigungen schaffen. Er bietet rund 30 überregionale Tipps aus München, die auch Bedeutung für Deutschland haben.!
Startschuss für das Projekt war am 7. April im Sozialministerium mit der Beauftragten der Bayerischen Staatsregierung für die Belange von Menschen mit Behinderung, Irmgard Badura und dem Bezirkstagspräsidenten, Josef Mederer. Badura sieht es als Notwendigkeit der geforderten Inklusion, die Kommunikation untereinander zu verbessern und wünscht sich mehr solcher Projekte. Ich kann mir vorstellen, dass man auch Kommunikationtipps für das Gespräch mit anderen behinderten Menschen erstellt, z.B. für taubblinde Menschen. Man müsste die Tipps um die Blindenschrift erweitern und schon werden mehr Menschen angesprochen. Oder weitere Formeln erarbeiten, etwa für das Gespräch mit Rollstuhlfahrern. Dem Gesprächspartner wird dann u. a. an die Hand geben, ob man sich auf Augenhöhe auf Knien - unterhält. Es ist einfach manchmal eine Hürde da, die es gilt zu überwinden, da helfen so einfache Tipps sehr wohl. Als Gesprächspartner kann ich schnell die Regeln nachlesen, muss sie dann verinnerlichen und mich auch demensprechend verhalten. Sie ersetzen aber nicht die Notwendigkeit von Unterstützung und Förderung, so Mederer.
Die Tipps werden interessierten Kommunikationspartnern wie Gebärdendolmetschern, Firmenvertretern, die mit hörgeschädigten Menschen zusammenarbeiten sowie mobilen Diensten der Schulen, Beratungsstellen, Universitäten als auch Privatpersonen kostenlos zur Verfügung gestellt.
Der Bezirk Oberbayern, als Träger des Berufsbildungswerks München, setzt mit diesem Projekt exemplarisch einen Teil seines Auftrags zur Unterstützung Hörgeschädigter in die Tat um und verbindet Entwicklung, Sachverstand und Ausbildungsinhalt mit einer praktischen Form der Unterstützung.
Weitere Informationen und Bestellungen:
astrid.pichler@bbw-muenchen.de
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